_____________________________________________________________________________
::k4:
a r t i s t :: Adolar
t i t l e :: Die Kaelte Der Neuen Biederkeit
d a t e :: 2013-00-00
l a b e l :: Zeitstrafe
g e n r e :: Indie
s o u r c e :: CD
b i t r a t e :: 248 kbps avg
e n c o d e r :: LAME 3.98.4 -V 0
t r a c k s :: 10
p l a y t i m e :: 51:35
s i z e :: 84.38MB
tracklist
1 Rauchen 4:19
2 Raketen 4:08
3 Neue Biederkeit 3:49
4 Blumen 2:30
5 Diesig 4:14
6 Halleluja 3:05
7 Nach Schweden Ziehen 3:02
8 Inspektor Broetchen 2:55
9 Salmiak 4:25
10 Kanuele 19:08
releasenotes
Es k÷nnte so leicht sein mit einer Band wie Adolar. Wⁿrden die nΣmlich zu
jeder ihrer Platten einen kleinen Beipackzettel, gespickt mit allen mehr oder
weniger abenteuerlich verkⁿrzten Klischees und Worthⁿlsen ⁿber ihr eigenes
Schaffen beilegen, die so herumfliegen in verstiegenen Pseudo-FachgesprΣchen,
verschwitzten Clubs, Freundeskreisen, WG-Kⁿchen und nicht zuletzt im hiesigen
Forum - die Arbeit sΣmtlicher Rezensenten wΣre getan. Schlie▀lich wΣre im
leidlich ⁿbersichtlichen Spannungsfeld der Be- und Zuschreibungen, irgendwo
zwischen quer laufenden, aufeinander einprⁿgelnden Takten, Musik fⁿr
Mittzwanziger, Post, Punk, wahlweise cleveren, affektierten oder
befindlichkeitsfixierten Texten und natⁿrlich Captain Planet fⁿr alle etwas
dabei. Das bedient dann zwar aber alle, klingt aber auch der Beschreibung nach
derma▀en wild, dass die Chose zwischenzeitlich etwas nervt.
Das dachten sich m÷glicherweise auch Adolar. Die haben sich fⁿr ihr neues Werk
nΣmlich allerhand einfallen lassen. So spotten sie h÷hnisch ⁿber alles bislang
Gesagte, kleistern mit "Die KΣlte der Neuen Biederkeit" tatsΣchlich einen
halbwegs griffigen Titel auf ihr neues Album und rΣumen bei dieser Gelegenheit
direkt mal das eigene Durcheinander krΣftig auf. Die quietschbunte Ideenkiste
voller Dinge, die eigentlich nicht zueinander passen wollen, die irgendwo im
Adolarschen Proberaum fⁿr Inspiration gesorgt haben muss? Wenigstens teilweise
eingemottet. Auch wenn die Single "Halleluja" es vorab nicht vermuten lΣsst:
Heute begn÷gt man sich fⁿr einen Song viel lieber mit einer ⁿberschaubaren
Anzahl an Ideen, spielt diese dafⁿr aber konsequent zu Ende. HyperaktivitΣt
weicht durchdachten Strukturen, die TobsuchtanfΣlle frⁿherer Tage werden durch
ein immer schon dagewesenes feinsinniges Gespⁿr fⁿr Melodien eingetauscht.
Schon wenn "Rauchen" gemΣchlich in den Raum wabert und sich alle Zeit, die es
braucht, nimmt, um zu mehr Gr÷▀e und LautstΣrke zu gelangen und die erwartete
eingesprungene BlutgrΣtsche auf Hⁿfth÷he doch nur andeutet, wird offenbar: Nie
klangen Adolar so geradlinig und nachvollziehbar wie heute. Und stellenweise
auch nie spannender und wendiger. Da geht der Weg eben mal direkt von bislang
ungewohnter Fr÷hlichkeit voller Streicher im formidablen "Raketen" ⁿber ein
dr÷hnendes Synthiegewitter am Ende des folgenden Titeltracks zum direkten
VorwΣrtsdrang von "Blumen". Und das alles frei von etwaigen musikalischen wie
textlichen Untiefen.
Natⁿrlich sind Adolar trotz alledem noch immer auch die Band, die sich auf
ihre eigenen Trademarks versteht. Stⁿcke wie das erwΣhnte "Halleluja" oder
"Inspektor Br÷tchen" pflegen die altbekannten, aufgekratzt neben den Takt
gebⁿrsteten Gitarrenfurien, die Beats, die sich nie entscheiden k÷nnen, in
welche Richtung es denn gehen soll. Zumal letzteres die anfangs angedeutete
BlutgrΣtsche dann tatsΣchlich auspackt. Das sind dann die Stⁿcke, die man -
daran rⁿtteln auch die BlΣser am Ende von "Halleluja" nicht - so von dieser
Band erwarten durfte. Und natⁿrlich proben Adolar auch sonst mitnichten die
komplette Revolution im Bandsound. Man erkennt zumeist ohne Schwierigkeiten,
wer sich Songs wie das konsequent leicht neben dem Ton eingesungene "Diesig"
ausgedacht hat. Auch auf textlicher Seite haben sich Adolar ihre latente
Unangepasstheit beibehalten und in Richtung mancher Gesellschaftsteile den
einen oder anderen giftigen Seitenhieb parat ("Die KΣlte der neuen
Biederkeit", "Halleluja").
Neu ist nur der klare Plan, die Stringenz, mit der Adolar ihre Songs
vortragen. Da ist bisweilen das letzte bisschen gefunden, das bisher zu den
gro▀en Momenten gefehlt hat. Spielerisch greifen die Ideen ineinander und
bef÷rdern ungeahnt strahlende Songs an die OberflΣche. Die Sch÷nheit von
"Raketen", der Schwermut von "Salmiak" - selten kamen die Stⁿcke mitsamt ihrer
Stimmung besser zur Geltung als auf diesem Album. Und wenn zukⁿnftig noch auf
die ein oder andere arg windschiefe Gesanglinie und etwas nichtssagende Songs
wie "Nach Schweden ziehen" verzichtet wird, sind Adolar endgⁿltig beim
Meisterwerk angelangt. Bis dahin sind sie weiterhin nahe dran.
http://www.adolarband.de
_____________________________________________________________________________
Adolar-Die_Kaelte_Der_Neuen_Biederkeit-(ZEIT033)-CD-DE-2013-k4