_____________________________________________________________________________
::k4:
a r t i s t :: Kreisky
t i t l e :: Blick auf die Alpen
d a t e :: 2014-00-00
l a b e l :: Wohnzimmer Records
g e n r e :: Indie
s o u r c e :: CD
b i t r a t e :: 257 kbps avg
e n c o d e r :: LAME 3.98.4 -V 0
t r a c k s :: 9
p l a y t i m e :: 43:36
s i z e :: 80.18MB
tracklist
1 Wir Unterhaltenen 6:25
2 Selbe Stadt, Anderer Planet 2:36
3 Pipelines 4:58
4 WeinkrΣmpfe 3:43
5 Die Wildnis 4:57
6 RinderhΣlften 6:34
7 Wir Machen Uns Sorgen Um Dich 4:43
8 Blick Auf Die Alpen 3:23
9 Todesstern 6:17
releasenotes
Drei MΣnner mit versteinerter Miene hΣmmern und kratzen auf ihren Instrumenten
herum, kein Gefⁿhlsausdruck ist zu sehen, der Schwei▀ auf ihrer Stirn gefriert
vor lauter Coolness. Im Vordergrund zappelt ein wirres Kerlchen den
Falco-GedΣchtnis-Dance, er hebt den Finger und verkⁿndet Parolen, er lΣsst
sich auf die Knie fallen und kreischt sich das Allerletzte aus der Seele. Das
sind Kreisky aus Wien, benannt nach dem wohl bekanntesten Kanzler der Zweiten
Republik ╓sterreichs. Das Kerlchen im Vordergrund ist Franz Adrian Wenzl, ein
schnittiger Irrer, der jeden Live-Auftritt in ein Theaterstⁿck transformiert.
In breiter SchmΣh kackt er dem Publikum entgegen oder betet es flehend an,
marschiert gerne von der Bⁿhne durch die Reihen der Zuschauer, lΣsst sich
feiern und ausbuhen, lieben oder hassen û was eben gerade besser klappt.
"Applaus ist das Brot des Kⁿnstlers", pflegt er stets zu sagen, doch auch die
Buhrufe sΣttigen ihn. Vor ein paar Jahren waren Kreisky mit Madsen auf Tour
und wurden in Heidelberg als Support der Familien-Combo fⁿrchterlich
ausgepfiffen. "Geil", nennt Wenzl diese Situation heute noch. Musikalisch
aufsehenerregend waren Kreisky dabei auch jederzeit: Mit "Blick auf die Alpen"
ver÷ffentlicht das Wiener Quartett sein nunmehr viertes Album, welches den
Schmiss der VorgΣnger weiterhin in sich trΣgt, aber mit ausgeklⁿgelterer
Instrumentierung aufwartet.
Der Name der Platte ist Programm: Allzu gerne persifliert der Vierer seine
vermeintlich ÷sterreichisch-d÷rfliche Herkunft, wie schon vor vielen Jahren im
Video zu "Jacqueline". Kreisky kokettieren mit der eigenen Austrophilie, bauen
augenzwinkernde Fassaden und rei▀en sie dann mit ihrem Post-Punk mit
Noise-Einschlag mit dem Vorschlaghammer wieder nieder. Es ist so unpassend,
wie Wenzl trΣllert, tanzt und wohl auch tickt, wΣhrend die Truppe im
Hintergrund mit dickster Joy-Division-─sthetik auffΣhrt, dass es erst so
richtig scharf ist. Die Erstauskopplung "Selbe Stadt, anderer Planet" ist das
beste Beispiel dafⁿr: Ein stoischer Beat, mathematisch getimte Gitarren, Wenzl
ruft mehr, als dass er singt, bis ein Gitarrenaufrei▀er den Chorus einleitet
und der SΣnger zuraunend der Welt erklΣrt, dass er auf seinem
Parallelweltenplanet noch weiterschlafen dⁿrfe, wΣhrend die anderen schon zur
Arbeit mⁿssten und kritisiert dabei unterschwellig die Leistungsgesellschaft.
"Pipelines" schlie▀t mit irrer Orgel an, die Gitarre torkelt besoffen um ein
Tamburin herum, der Track bleibt seinem langsamen Tempo ⁿber weite Strecken
treu, wird nur im Refrain etwas brausiger. Wenzl lΣsst sich im Text
herumfⁿhren, besichtigt Kraftwerke und Raffinerien, bestaunt die Muskeln eines
Flie▀bandarbeiters und wundert sich schlie▀lich, wo diese "endlosen Pipelines
ins Nirgendwo" wohl letztendlich hinfⁿhren. Auch hier sticht der kritische
Ansatz wieder klar heraus, das Video zum Song bringt die MΣrchenwelt zum
Vorschein. Auch "RinderhΣlften" prangert an, attackiert die Konsumgesellschaft
und erklΣrt die Welt damit gerettet, dass es doch schlie▀lich mittlerweile
"RinderhΣlften zu Discounterpreisen" gΣbe, wΣhrend sich der Opener "Wir
Unterhaltenen" dem gleichen Thema zuwendet. "Der Mensch geh÷rt nicht in die
Wildnis", argumentieren Kreisky in "Die Wildnis", Wenzl sitzt mit seinem
Gegenⁿber Schnaps trinkend in der Kneipe. "Ich mehr / er weniger", singt er.
Das Gegenⁿber lΣsst nicht locker, der Mensch sei ein Wildtier. Schlie▀lich
rastet Wenzl aus: "Das ist wider die Natur / Der Mensch geh÷rt in eine Wohnung
/ Auf eine Sofagarnitur". Das Tr÷pfelnde weicht dem Drastischen, Wenzl jault
dem Ende entgegen wie ein verlassenes W÷lfchen.
"The show must go on", sagte eins Freddie Mercury, den Wenzl als "Austrofred"
amⁿsant mit der eigenen ÷sterreichischen Herkunft verklⁿngelt. Die Show ist
ein elementarer Bestandteil des Projekts Kreisky. Dieses Schauspiel aber es
ist nur fⁿr die Distanz zwischen Rezipient und Kⁿnstler gedacht, um das
Extreme herauszuholen, um Hass zu schⁿren und liebesbekundende KniefΣlle zu
provozieren, um auf diese Weise aufzurⁿhren und die tatsΣchlich feinsinnigen
Botschaften in den Seelenteig des H÷rers zu mischen. Wer schei▀e findet, was
die Wiener mit "Blick auf die Alpen" abziehen, der sollte vielleicht noch
einmal genau hinh÷ren, was sie zu sagen haben.
http://www.kreisky.net
_____________________________________________________________________________
Kreisky-Blick_Auf_Die_Alpen-(WOHN051)-CD-DE-2014-k4