Jens_Friebe-Nackte_Angst_Zieh_Dich_An_Wir_Gehen_Aus-(AKT756CD)-CD-DE-2014-k4

Section
MP3/FLAC
Group
k4
Size
62,28 MB
Files
15
Date
2014-10-20

NFO

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         a r t i s t :: Jens Friebe
           t i t l e :: Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus
             d a t e :: 2014-00-00
           l a b e l :: Staatsakt
           g e n r e :: Indie
         s o u r c e :: CD
       b i t r a t e :: 243 kbps avg
       e n c o d e r :: LAME 3.98.4 -V 0
         t r a c k s :: 11
     p l a y t i m e :: 35:19
             s i z e :: 61.43MB


        tracklist

  1   H÷lle Oder H÷lle                        2:45
  2   Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen     3:58
      Aus
  3   (I'm Not Born For) Plot Driven Porn     3:02
  4   Dein Programm                           3:41
  5   Schlaflied                              3:30
  6   Sei Einfach Nicht Du Selbst             1:57
  7   Warum ZΣhlen Die RⁿckwΣrts Mammi        3:06
  8   What Will Death Be Like                 4:38
  9   Ich Wusste Zuviel Von Euch              3:14
  10  Guess Which Celebrity Partied Too Hard  2:26
      On Their 18th (Or Not)
  11  Zahlen Zusammen Gehen Getrennt          3:02




        releasenotes

  Aus Ostpreu▀en zugewanderte Bewohner des Ruhrgebietes wⁿrden Jens Friebe
  vermutlich wohlmeinend als Lorbass, also als juvenilen Lⁿmmel bezeichnen. Sein
  doppelb÷diger, bisweilen gern angesauter Lausbuben-Pop verunsichert grantelnde
  Plattenkritiker, leichtfⁿ▀ige SchallplattenkΣufer und dienstbeflissene
  Forentrolle zugleich. Dabei ist die Musik Friebes der des jungen Max Goldt und
  seiner Band Foyer Des Arts nicht ganz unΣhnlich: Offenbar willkⁿrlich auf
  Englisch oder Deutsch ausfabulierte Frotzeleien ⁿber das Bⁿrgertum, ob nun
  gebildet oder nicht, treffen auf ein schrΣges Sammelsurium aus der
  musikalischen Mottenkiste, bar jedes simplen Schablonendenkens. Gewiss verfⁿgt
  Friebe nicht ⁿber die phΣnomenale Eloquenz des Kollegen Goldt, doch seine Welt
  scheint deshalb nicht minder reich an Zitaten aus den unterschiedlichsten
  Stilrichtungen zu sein. VerstΣndlicherweise finden sich diese beim
  Wahlberliner Friebe vorwiegend in der Neuzeit, dafⁿr sorgen sowohl der
  Altersunterschied, als auch die unterschiedliche Sozialisation der beiden.
  Doch Friebe nennt den aus G÷ttingen stammenden Goldt in Interviews nicht ohne
  Grund immer wieder als einen seiner wesentlichen Einflⁿsse. Dieser Nachhall
  tritt auf Album Nummer fⁿnf offensichtlicher denn je zu Tage, der von Kollege
  Pilgrim zum VorgΣnger "AbΣndern" noch diagnostizierte Techno-Schlager ist
  zugleich Geschichte. Heute ist eklektische Nachdenklichkeit gefragt.

  Hochgekreppte Disco-BasslΣufe zappeln demnach in "H÷lle oder H÷lle" ⁿber vom
  Boogie inspirierten Piano-Stakkati, welchen das angeschickerte Keyboard in
  "Dein Programm" noch einen letzten gutturalen Woogie-Rⁿlpser hinterherschickt.
  So, als ob die Single "Schimmliges Brot" von Foyer Des Arts nicht fast 30
  SonnenumlΣufe in ihrem ewigen Kalender stehen hΣtte und ihre Kindeskinder
  keineswegs lΣrmend auf ihrem Scho▀e um die Nachfolge balgten. Die barocke
  Anmut des Titelstⁿcks mit ihrer schwelgerischen Ruhe k÷nnte ebenso von der
  1988er LP "Ein Kuss in der Irrtumstaverne" von Goldt und seinem kongenialen
  Partner Gerd Pasemann stammen. Doch wo Goldt eher verhalten bis stark
  abstrahiert ⁿber die damaligen gesellschaftlichen Themen dozierte, wΣhlt
  Friebe heute einen direkteren Weg: Das muntere PurzelbΣume schlagende "(I am
  not born for) Plot driven porn" mit seinen fr÷hlichen Kinderch÷ren oder "Sei
  einfach nicht Du selbst", das sich die Rockmusik zwischen Stehschlagzeug und
  Kaufhaus-Gitarre zurⁿckerobert, sprechen eine eindeutigere Sprache. Friebes
  Anliegen fokussiert sich auf eine nachhaltige Sozialkritik.

  WΣhrend sich der neoliberalisierte Rest der Welt in gnadenlosem Konsum,
  inbrⁿnstiger Korruption und ebenso eifriger Sⁿndenbocksuche ergeht, blickt der
  Kⁿnstler in seinem 35-minⁿtigem Themenabend vordergrⁿndig auf das gr÷▀te Tabu
  vieler Menschen, den Tod, jenen grimmigen MΣher. Dabei covert er nebenher
  "What will death be like" des Schotten Nicholas Currie alias Momus. Er schielt
  jedoch weniger unter die lepr÷sen Geschwⁿre des Sensenmannes oder gar zwischen
  dessen morsche Rippen, sondern h÷rt lieber seinem anekdotenreichen R÷cheln zu.
  Was der Kerl doch alles zu berichten wei▀! Denn: "Das Spiel hei▀t H÷lle oder
  H÷lle, machst Du mit, machst Du mit? / Die einen treten auf der Stelle / Die
  andere sind die Stelle, auf der man tritt." Der Tod offenbart sich als ein
  Gleichnis zum Ersterben der Empathie in uns allen, zugunsten eines
  unbarmherzigen VerdrΣngungswettbewerbs, der politisch immer weiter befeuert
  wird. AsozialitΣt als Norm.

  Es geht also gar nicht um den Abgang an sich, sondern vielmehr um die RΣnke,
  wie man ihn wenigstens auch anderen bereiten kann, wenn man selbst schon
  irgendwann so jΣmmerlich verrecken muss. Natⁿrlich dⁿrfen potenzielle "Opfer"
  sich nicht wehren und stehen dabei gⁿnstigstenfalls weiter unten auf der
  sozialen Leiter. Dieser konstruierte Kampf wird mit riesigem Bohei als
  unumst÷▀licher Status Quo verkauft, an dem nicht gerⁿttelt werden darf. Eine
  derart negative DauerbeschΣftigung der Massen sorgt paradoxerweise bei den
  Verantwortlichen fⁿr ein sorgenfreies Leben abseits aller widrigen ZustΣnde.
  Wie das bewerkstelligt wird? Mit einer Politik der Stimmungsmache, von der
  "Warum zΣhlen die rⁿckwΣrts Mammi" berichtet. Den Menschen bleibt in diesem
  Schreckensszenario nur die Furcht voreinander, sΣmtliche bestehenden
  Gemeinsamkeiten werden ausgeblendet. Die eigentlichen Erzeuger ihrer gemeinsam
  erlebten Angst werden weder erkannt, noch angegangen. Stattdessen lautet die
  Parole: "Zahlen zusammen gehen getrennt", denn fⁿr die Kosten dieses absurden
  Gesinnungskarnevals dⁿrfen letztendlich diejenigen aufkommen, die schon
  darunter zu leiden haben.

  Wir Menschen sind folglich zu einem Rudel aus Pawlowschen Hunden verkommen,
  das derartig angstgesteuert nun jeder gegen jeden, aber blo▀ nicht gegen die
  herrschenden VerhΣltnisse kΣmpfen soll. Da kann sich die nackerte Angst, wie
  im Titelstⁿck besungen, noch so lieblich kleiden und Party machen, bis die
  Schwarte kracht. Dieses selbsterfⁿllende VerhΣngnis wird sie nicht vom Hofe
  treiben. Jetzt sage noch einer, Friebes Anliegen seien trivial und seine Musik
  oberflΣchlich! Das Gegenteil ist der Fall, lΣsst man sich erst auf seine
  Gedankenspielereien ein. Er ist ein smarter Revoluzzer, der lieber dezent
  "Sing mir ein kleines Arbeiterkampflied" zu Goldt herⁿberzwinkert, als die
  erzieherische Gutmenschen-Keule zu schwingen. Und um mit einem seiner
  bekanntesten Songs zu schlie▀en: Er ist dabei nicht auf den Lawinenhund
  gekommen, der alte Sozial-Schlawiner.

  http://www.jens-friebe.de



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11-jens_friebe-zahlen_zusammen_gehen_getrennt.mp34,94 MB