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::k4:
a r t i s t :: Jens Friebe
t i t l e :: Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus
d a t e :: 2014-00-00
l a b e l :: Staatsakt
g e n r e :: Indie
s o u r c e :: CD
b i t r a t e :: 878 kbps avg
e n c o d e r :: FLAC 1.2.1 -8 -V
t r a c k s :: 11
p l a y t i m e :: 35:19
s i z e :: 221.4MB
tracklist
1 H÷lle Oder H÷lle 2:45
2 Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen 3:58
Aus
3 (I'm Not Born For) Plot Driven Porn 3:02
4 Dein Programm 3:41
5 Schlaflied 3:30
6 Sei Einfach Nicht Du Selbst 1:57
7 Warum ZΣhlen Die RⁿckwΣrts Mammi 3:06
8 What Will Death Be Like 4:38
9 Ich Wusste Zuviel Von Euch 3:14
10 Guess Which Celebrity Partied Too Hard 2:26
On Their 18th (Or Not)
11 Zahlen Zusammen Gehen Getrennt 3:02
releasenotes
Aus Ostpreu▀en zugewanderte Bewohner des Ruhrgebietes wⁿrden Jens Friebe
vermutlich wohlmeinend als Lorbass, also als juvenilen Lⁿmmel bezeichnen. Sein
doppelb÷diger, bisweilen gern angesauter Lausbuben-Pop verunsichert grantelnde
Plattenkritiker, leichtfⁿ▀ige SchallplattenkΣufer und dienstbeflissene
Forentrolle zugleich. Dabei ist die Musik Friebes der des jungen Max Goldt und
seiner Band Foyer Des Arts nicht ganz unΣhnlich: Offenbar willkⁿrlich auf
Englisch oder Deutsch ausfabulierte Frotzeleien ⁿber das Bⁿrgertum, ob nun
gebildet oder nicht, treffen auf ein schrΣges Sammelsurium aus der
musikalischen Mottenkiste, bar jedes simplen Schablonendenkens. Gewiss verfⁿgt
Friebe nicht ⁿber die phΣnomenale Eloquenz des Kollegen Goldt, doch seine Welt
scheint deshalb nicht minder reich an Zitaten aus den unterschiedlichsten
Stilrichtungen zu sein. VerstΣndlicherweise finden sich diese beim
Wahlberliner Friebe vorwiegend in der Neuzeit, dafⁿr sorgen sowohl der
Altersunterschied, als auch die unterschiedliche Sozialisation der beiden.
Doch Friebe nennt den aus G÷ttingen stammenden Goldt in Interviews nicht ohne
Grund immer wieder als einen seiner wesentlichen Einflⁿsse. Dieser Nachhall
tritt auf Album Nummer fⁿnf offensichtlicher denn je zu Tage, der von Kollege
Pilgrim zum VorgΣnger "AbΣndern" noch diagnostizierte Techno-Schlager ist
zugleich Geschichte. Heute ist eklektische Nachdenklichkeit gefragt.
Hochgekreppte Disco-BasslΣufe zappeln demnach in "H÷lle oder H÷lle" ⁿber vom
Boogie inspirierten Piano-Stakkati, welchen das angeschickerte Keyboard in
"Dein Programm" noch einen letzten gutturalen Woogie-Rⁿlpser hinterherschickt.
So, als ob die Single "Schimmliges Brot" von Foyer Des Arts nicht fast 30
SonnenumlΣufe in ihrem ewigen Kalender stehen hΣtte und ihre Kindeskinder
keineswegs lΣrmend auf ihrem Scho▀e um die Nachfolge balgten. Die barocke
Anmut des Titelstⁿcks mit ihrer schwelgerischen Ruhe k÷nnte ebenso von der
1988er LP "Ein Kuss in der Irrtumstaverne" von Goldt und seinem kongenialen
Partner Gerd Pasemann stammen. Doch wo Goldt eher verhalten bis stark
abstrahiert ⁿber die damaligen gesellschaftlichen Themen dozierte, wΣhlt
Friebe heute einen direkteren Weg: Das muntere PurzelbΣume schlagende "(I am
not born for) Plot driven porn" mit seinen fr÷hlichen Kinderch÷ren oder "Sei
einfach nicht Du selbst", das sich die Rockmusik zwischen Stehschlagzeug und
Kaufhaus-Gitarre zurⁿckerobert, sprechen eine eindeutigere Sprache. Friebes
Anliegen fokussiert sich auf eine nachhaltige Sozialkritik.
WΣhrend sich der neoliberalisierte Rest der Welt in gnadenlosem Konsum,
inbrⁿnstiger Korruption und ebenso eifriger Sⁿndenbocksuche ergeht, blickt der
Kⁿnstler in seinem 35-minⁿtigem Themenabend vordergrⁿndig auf das gr÷▀te Tabu
vieler Menschen, den Tod, jenen grimmigen MΣher. Dabei covert er nebenher
"What will death be like" des Schotten Nicholas Currie alias Momus. Er schielt
jedoch weniger unter die lepr÷sen Geschwⁿre des Sensenmannes oder gar zwischen
dessen morsche Rippen, sondern h÷rt lieber seinem anekdotenreichen R÷cheln zu.
Was der Kerl doch alles zu berichten wei▀! Denn: "Das Spiel hei▀t H÷lle oder
H÷lle, machst Du mit, machst Du mit? / Die einen treten auf der Stelle / Die
andere sind die Stelle, auf der man tritt." Der Tod offenbart sich als ein
Gleichnis zum Ersterben der Empathie in uns allen, zugunsten eines
unbarmherzigen VerdrΣngungswettbewerbs, der politisch immer weiter befeuert
wird. AsozialitΣt als Norm.
Es geht also gar nicht um den Abgang an sich, sondern vielmehr um die RΣnke,
wie man ihn wenigstens auch anderen bereiten kann, wenn man selbst schon
irgendwann so jΣmmerlich verrecken muss. Natⁿrlich dⁿrfen potenzielle "Opfer"
sich nicht wehren und stehen dabei gⁿnstigstenfalls weiter unten auf der
sozialen Leiter. Dieser konstruierte Kampf wird mit riesigem Bohei als
unumst÷▀licher Status Quo verkauft, an dem nicht gerⁿttelt werden darf. Eine
derart negative DauerbeschΣftigung der Massen sorgt paradoxerweise bei den
Verantwortlichen fⁿr ein sorgenfreies Leben abseits aller widrigen ZustΣnde.
Wie das bewerkstelligt wird? Mit einer Politik der Stimmungsmache, von der
"Warum zΣhlen die rⁿckwΣrts Mammi" berichtet. Den Menschen bleibt in diesem
Schreckensszenario nur die Furcht voreinander, sΣmtliche bestehenden
Gemeinsamkeiten werden ausgeblendet. Die eigentlichen Erzeuger ihrer gemeinsam
erlebten Angst werden weder erkannt, noch angegangen. Stattdessen lautet die
Parole: "Zahlen zusammen gehen getrennt", denn fⁿr die Kosten dieses absurden
Gesinnungskarnevals dⁿrfen letztendlich diejenigen aufkommen, die schon
darunter zu leiden haben.
Wir Menschen sind folglich zu einem Rudel aus Pawlowschen Hunden verkommen,
das derartig angstgesteuert nun jeder gegen jeden, aber blo▀ nicht gegen die
herrschenden VerhΣltnisse kΣmpfen soll. Da kann sich die nackerte Angst, wie
im Titelstⁿck besungen, noch so lieblich kleiden und Party machen, bis die
Schwarte kracht. Dieses selbsterfⁿllende VerhΣngnis wird sie nicht vom Hofe
treiben. Jetzt sage noch einer, Friebes Anliegen seien trivial und seine Musik
oberflΣchlich! Das Gegenteil ist der Fall, lΣsst man sich erst auf seine
Gedankenspielereien ein. Er ist ein smarter Revoluzzer, der lieber dezent
"Sing mir ein kleines Arbeiterkampflied" zu Goldt herⁿberzwinkert, als die
erzieherische Gutmenschen-Keule zu schwingen. Und um mit einem seiner
bekanntesten Songs zu schlie▀en: Er ist dabei nicht auf den Lawinenhund
gekommen, der alte Sozial-Schlawiner.
http://www.jens-friebe.de
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Jens_Friebe-Nackte_Angst_Zieh_Dich_An_Wir_Gehen_Aus-(AKT756CD)-CD-FLAC-2014-k4