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::k4:
a r t i s t :: Balbina
t i t l e :: ▄ber Das Grⁿbeln
d a t e :: 2015-00-00
l a b e l :: Four Music/Sony Music
g e n r e :: Pop
s o u r c e :: CD
b i t r a t e :: 760 kbps avg
e n c o d e r :: FLAC 1.2.1 -8 -V
t r a c k s :: 14
p l a y t i m e :: 45:45
s i z e :: 265.6MB
tracklist
1 ▄ber 0:30
2 Blumentopf 3:56
3 Das IST, Die Zeit Ist Ein Egoist Mit 4:06
Feli Und N÷rchen
4 Oropax 3:47
5 Nichtstun 3:17
6 Goldfisch 3:58
7 Hut Ab! Mit Justus Jonas 4:40
8 Mir FΣllt Nix Ein Mit Tristan Busch 3:21
9 Tisch Mit Maeckes 3:49
10 Kuckuck 3:28
11 Wecker 3:52
12 Langsam Langsamer 3:35
13 Dicke Luft 3:20
14 Das Grⁿbeln 0:06
releasenotes
"Kuckuck, ist da jemand da? Unter den ganzen Lagen, lagert da was drunter?
Oder lagern darunter nur/ Andere Lagen?" Mal ganz abgesehen davon, dass man
den ganz und gar entzⁿckenden Ausruf "Kuckuck!" heutzutage leider kaum noch
h÷rt, wurde ich mit der Frage nach Balbinas Tiefe und Relevanz im vergangenen
halben Jahr erstaunlich oft konfrontiert: "Hallo!? Was ist denn da so toll?
Verstehe ich nicht!"
Die einfache Antwort darauf wΣre: Muss nicht jeder verstehen, kann aber jeder
einfach mal empfinden. Denn so ging es mir auch, als ich im vergangenen Juni
zum Glⁿck Balbinas ohne viel Nachdruck oder Anpreisen bemusterte
("Nichtstun"-EP) h÷rte, so wie man neue Platten so halbneugierig nebenbei im
Bⁿro mal h÷rt. Mit dem Nebenbei war es dann aber schnell vorbei, denn schon
"Nichtstun" hatte mit allem, was sonst gerade in Deutschland an Popmusik
fabriziert wird, nichts zu tun. Da zΣhlte diese junge Frau mit strenger Frisur
und schmollendem Gesicht die Polkadots auf ihrem Glockenrock und forderte die
Langeweile auf, sich doch endlich mal zu beeilen und das mit dieser
unerh÷rten, von ganz tief unten nach ganz weit oben reichenden Stimme, die
manche abschΣtzig als "torfigen" Alt bezeichnen, die in Wahrheit aber fⁿr
viele Ohren nur ungewohnt ist im hiesigen Pop-Einerlei. Balbina arbeitet
dramaturgisch mit Sprache, zerdehnt und verbiegt ihre oft viel zu langen SΣtze
und Worte in die Musik, wie es sonst nur HipHop-Kⁿnstler tun - oder
Gesangs-Enigmata wie Herbert Gr÷nemeyer und Nina Hagen. Beide geh÷ren nicht
umsonst zu ihren Vorbildern.
Ganz frⁿher, als Balbina noch in einer Berliner Sozialbau-Siedlung in ihrem
MΣdchenzimmer hockte und aus dem Fenster trΣumte, war eher Whitney Houston ihr
Idol, die Diva mit der gro▀en Stimme. Stundenlang ⁿbte sie, bis sie die
R&B-Hymnen Houstons adΣquat mittrΣllern konnte. Aber, wiederum zum Glⁿck, ist
aus ihr dann nicht eine der vielen Soulgesang-Epigoninnen geworden, die ein
Schattendasein im Background-Chor fristen, zum Glⁿck machten ihr die Rapper
aus dem Royal-Bunker-Umfeld Mut, mit ihrer eigenen Sprache, ihren eigenen
Reimen zu experimentieren, bis sich langsam, allmΣhlich, mit dem Umweg ⁿber
ein in alle Stile explodierendes Debⁿtalbum das formte, was nun auf ihrem
Majorlabel-Einstand zu h÷ren ist und was ich absichtlich nicht mit einem
Etikett ⁿberkleben m÷chte. Ich wⁿsste auch nicht, was man draufschreiben
sollte: Fⁿr Kammerpop ist es nicht gediegen genug, fⁿr HipHop oder R&B ist es
zu klassisch Pop, fⁿr Schlager ist es zu widerborstig und spr÷de.
Balbinas Musik ist tatsΣchlich das Einzige, woran man herummΣkeln k÷nnte, sie
tritt manchmal zu sehr hinter die Texte zurⁿck, bleibt zu pianoklimpernd
schlicht, wo auch kompositorisch mehr Risiko drin gewesen wΣre. Aber das Manko
hat Methode, sagt Balbina; komplexe Texte mit komplexer Musik, das kann auch
zu viel des Guten sein.
Und das ist ja eigentlich das Sch÷nste an Balbina: Hier gibt es nicht dieses
Hoppla-jetzt-komm-ich, das deutschen Pop oft unertrΣglich macht, dieses
m÷glichst exakte In-die-Schublade-passen, damit jeder gleich wei▀, woran er
ist. Dieses Gro▀pusten von Gefⁿhlen, bis sie nur noch Blasen voll hei▀er Luft
sind. Balbinas Welt ist eine angenehm leise, unaufdringliche Welt des
Prokrastinierens und In-den-Tag-hinein-D÷sens und -Denkens, des genauen
Betrachtens und der alltΣglichen Dinge, die sonst keiner beachtet. Es ist die
Welt des MΣdchenzimmers an trΣgen Sonntagnachmittagen, wenn die Staubpartikel
im Sonnenstrahl zu tanzen beginnen und es viel Zeit gibt, ⁿber die
Vergesslichkeit von Goldfischen nachzudenken, die egoistische Zeit oder
Blument÷pfe, die Kopfzerbrechen machen.
Es ist eine Welt, die einen nicht mit Eindeutigkeiten nervt, sondern die einen
weich im UngefΣhren, Assoziativen umfΣngt. Man kann sich fallenlassen in diese
Lieder, sie werden das schon aushalten, sie sind robuster, als sie in ihrer
Zartheit wirken, einige, "Wecker", "Blumentopf" oder "Goldfisch", sind so
solide und anhΣnglich, dass sie Hits werden k÷nnten.
Wie eine in strahlend wei▀es Wischundweg-Papier gekleidete Zauberfee stupst
Balbina mal den Teekessel, mal den TeddybΣr an, st÷bert nach den Lagen unter
der Lebenslage. So mancher Fleck, der dabei aufs Kleid gerΣt, geht auch mit
Seife nicht wieder weg, so sehr sie auch schrubbt. Dann rⁿttelt sie an den
trΣgen VorhΣngen, dann schⁿttelt sie den Wecker, warum er denn so leise war:
Jetzt hat sie schon ihr halbes Leben mit Sinnieren versonnen.
Macht nichts. Aus diesen Tag-TrΣumen ist jetzt immerhin das klⁿgste und
geschmackvollste deutsche Popalbum des Jahres geworden. Hat sich doch gelohnt,
die ganze Grⁿbelei.
www.balbina.fm
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Balbina-Ueber_Das_Gruebeln-(88843054352)-DE-CD-FLAC-2015-k4